Die schönsten Seiten Stuttgarts lassen sich leicht ohne Auto entdecken - ein großer Vorteil, denn der Verkehr quält sich in und um den Stadtkern. Größere Strecken müssen Sie ohnehin nicht zu Fuß zurücklegen, wenn Sie die sehenswerten Häuser, Schlösser, Parks und Kirchen der Stadt finden wollen. Auf kleinem Raum drängt sich ein Teil der wichtigsten Objekte. Von der Mitte des Schlossplatzes aus braucht »man sich bloß von Zeit zu Zeit um seine Achse drehen«, heißt es schon in einem alten Stadtführer.
Ein Bummel durch die Fußgängerzone entlang der breiten Königstraße verbindet die meisten Attraktionen Stuttgarts und macht die Orientierung leicht. Zwei Bundesstraßen schneiden breite Schneisen und trennen wie eine moderne Stadtmauer das Zentrum und die übrigen Stadtteile voneinander. Der Vorteil: Der Stadtkern ist ruhig und ein herrliches Fleckchen zum Schlendern, Bummeln und Genießen.
Stuttgart ist sicherlich kein Pflaster für Freunde barocker Bauten. Das urschwäbisch schöne Stuttgart ist in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs weitgehend untergegangen. Eine Altstadt, wie man sie aus anderen Städten kennt, gibt es nicht mehr. Aus dem Trümmerfeld sind in den Nachkriegsjahren zum Teil ansprechende Bauten entstanden. Oft ist es gelungen, den alten Stil der Gebäude wieder zum Leben zu erwecken wie bei der Markthalle, am Schillerplatz oder in der Calwer Straße.
Nicht immer haben die Stadtplaner ein gutes Händchen bewiesen: Historische Gebäude wurden abgerissen, fade Betonwüsten wie beispielsweise der inzwischen wieder (mit ebenso viel Beton) bebaute Kleine Schlossplatz entstanden mitten im Herzen der Stadt.
Trotzdem zeigt sich die Landeshauptstadt als eindrucksvolles Spiegelbild der wichtigsten architektonischen Phasen: Gründerzeit im Westen, Barock am Neuen Schloss, die 1920er-Jahre in der weltberühmten Weissenhofsiedlung auf dem Killesberg, am renovierten Tagblatt-Turm und am Hauptbahnhof, die 1950er-Jahre rund ums Rathaus oder am Landtag und die moderne Architektur an der Staatsgalerie und an Einkaufspassagen.
- Birkenkopf: Stuttgarts Gipfelstürmer: mit 511 m ist er einer der höchsten Punkte der Stadt am Rande des Talkessels. Nach den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges sammelte man hier oben den Trümmerschutt aus 400 000 Lastwagenfuhren. Die Folge: Der »Monte Scherbelino« wuchs insgesamt um mehr als 40 m. Ganz oben auf dem »Gipfel« liegen sogar noch offen die Brocken alter Hausfassaden.
- Bismarckturm: In jeder Neujahrsnacht versammeln sich hier Tausende zum Feuerwerk am oberen Ende eines kleinen Parks. Während des Rests des Jahres ist der Turm ein beliebter Punkt für ein romantisches Stelldichein mit herrlichem Blick über Stuttgart. Der 20 m hohe Koloss wurde auf Drängen von Studenten 1904 eingeweiht und ist Teil einer Serie von insgesamt 236 Bismarcktürmen auf vier Kontinenten, die zu Ehren des früheren Reichskanzlers errichtet wurden. Am Höhenpark Killesberg
- Fernsehturm: Nach gründlicher und spektakulär anmutender Sanierung in schwindelerregender Höhe im Jahr 2005 glänzt Stuttgarts Wahrzeichen wieder wie am 5. Februar 1956, dem Tag der Einweihung. Geplant und gebaut unter der Leitung von Fritz Leonhardt, Rolf Gutbrod und Erwin Heinle gilt der in Spannbeton-Bauweise errichtete Turm als Prototyp für alle Fernseh- und Funktürme in der Welt. Heute wird er vom Südwestrundfunk betrieben. 216,61 m hoch sticht die Betonnadel in den Himmel. Der vierstöckige »Korb« unter anderem mit Technikräumen und Panoramaterrasse liegt in 152,4 m Höhe. Mit dem Aufzug geht es in Sekundenschnelle zur Aussichtsplattform.
Von keinem anderen Punkt Stuttgarts ist der Blick auf die Stadt, über die Weinberglandschaft des Neckartals, über das schwäbische Land hinüber zur Alb, zum Schwarzwald und zum Odenwald so beeindruckend wie vom Fernsehturm aus. An vielen Tagen ist sogar das Panorama der Berggipfel der deutschen, österreichischen und Schweizer Alpen zu sehen. Jahnstr. 120 - Kapelle auf dem Württemberg: Kleine Kapelle auf dem historischen Herzstück des Landes. Als letzte Ruhestätte für seine Frau wählte König Wilhelm I. diesen Platz aus. Die noch relativ gut erhaltene Stammburg des Hauses Württemberg aus dem 11. Jahrhundert wurde gegen den Protest der Untertanen geschleift und 1820-1824 durch das klassizistische Mausoleum ersetzt. Dort liegen nun nicht nur die jung verstorbene Katharina, sondern auch der 1864 gestorbene König in einem Doppelsarkophag aus Carrara-Marmor in der Gruft. Durch eine Bodenöffnung kann man hinunterblicken. Den Eingang ziert die Inschrift »Die Liebe höret nimmer auf«.
Von der Kapelle aus können Sie einen herrlichen Ausblick genießen auf den idyllischen Weinort Uhlbach und das Neckartal mit dem Stuttgarter Hafen und den Daimler-Chrysler-Werkhallen.
- Gottlieb-Daimler-Stadion: Heimat der Fußballer des VfB Stuttgart. 1933 als »Adolf-Hitler-Kampfbahn« gebaut, lautete der Name der Sportstätte nach dem Krieg zunächst »Neckarstadion«. Neuer Namensgeber war dann schließlich der Gründungsvater des benachbarten Autobauers, nicht zuletzt weil das Unternehmen bei der Renovierung Anfang der 1990er-Jahre kräftig spendete. Auffällig ist vor allem das Dach mit den geschwungenen weißen Membranfeldern. Bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wird das Stadion, das zurzeit mehr als 53 000 Sitze hat, weiter ausgebaut, um Gastgeber für ein halbes Dutzend WM-Spiele sein zu können. U 11 Daimler Stadion (Schleyer-Halle), verkehrt nur bei Großveranstaltungen, S 1 Gottlieb-Daimler-Stadion
- Hauptbahnhof: Der Natursteinbau aus den einst neuen Baumaterialien Beton und Stahl ist mit starken Muschelkalkquadern verkleidet und steht wuchtig, streng und in klarer Form am Beginn der Königstraße - dabei ist der Bahnhof eigentlich ein Pfahlbau. Wegen des sumpfigen Untergrunds steht das Gebäude auf 3000 Eichensäulen. Zwischen 1914 und 1927 wurde er nach den Plänen der Architekten Paul Bonatz und Fritz Scholer errichtet. Bis 2013 ist ein großer Umbau des Kopf- in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof geplant. Erhalten bleiben das Hauptgebäude und der etwa 56 m hohe Turm mit dem rotierenden Mercedes-Stern auf der Aussichtsterrasse. In seinen oberen vier Geschossen verdeutlicht eine Ausstellung mit Filmen, Modellen und Plänen das Milliardenvorhaben »Stuttgart 21«. In der Haupthalle im Erdgeschoss reicht ein Balkon in den Raum - er sollte dem König für Huldigungen dienen, doch der württembergische Monarch musste während des Baus 1918 abdanken.
Im Untergeschoss des Hauptbahnhofs verteilen die Stadt- und S-Bahnen täglich mehr als 300 000 Fahrgäste in die Stadt. Dort befindet sich auch die Klettpassage mit zahlreichen Geschäften, die Mitte der 1970er-Jahre erbaut wurde. Arnulf-Klett-Platz - Haus der Wirtschaft: Fast ein wenig versteckt zwischen Theodor-Heuss- und Schlossstraße liegt ein bundesweit einmaliges Dienstleistungszentrum der mittelständischen Wirtschaft. Unter dem Kuppeldach aus dem späten 19. Jahrhundert und hinter der denkmalgeschützten, mit Säulen geschmückten Sandsteinfassade vereinen sich z. B. Teile des Wirtschaftsministeriums, die Steinbeis-Stiftung und das Design Center Stuttgart. Regelmäßig wird auch zu Ausstellungen und Kongressen geladen, und im Winter präsentieren die Verlage der Öffentlichkeit im Rahmen der »Buchwochen« unzählige Neuerscheinungen. Willi-Bleicher-Str. 19
- Hotel-Marquardt-Gebäude: Das einstige Hotel Marquardt war früher im Familienbesitz. Es steht ganz im Zeichen der pompösen Gründerzeit. Nach der Eröffnung 1896 gab das »Marquardt« als 4-Sterne-Hotel den Ton an. Graf Zeppelin, Bismarck und Richard Wagner stiegen hier ab. Im Krieg stark zerstört, erinnern heute das plüschige »Café Marquardt« und die »Komödie im Marquardt« an den Namensgeber. In dem einstigen Hotelkomplex finden sich Boutiquen, mehrere Kinos und die Marshall Bar. Bolzstr. 4 und 6
- Kunstgebäude: Unübersehbar glänzt ein goldener Hirsch, das Wappentier Württembergs, auf der Kuppel des Kunstgebäudes am Schlossplatz. Das kurz vor dem Ersten Weltkrieg für Kunstausstellungen, Konzerte und Feste errichtete Haus wurde wie so viele andere Häuser im Stadtzentrum im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Bis 1961 bauten die Schwaben das Kunstgebäude teilweise neu, teilweise nach altem Vorbild wieder auf. In seinen Räumen waren der Württembergische Kunstverein und die Galerie der Stadt Stuttgart lange unter einem Dach vereint. Nachdem die Galerie ins neue Kunstmuseum umgezogen ist, sollen die freien Räume für Wechselausstellungen vermietet werden. An sonnigen Sommertagen sitzt man herrlich draußen unter den Arkaden. Schlossplatz 2
- Königsbau: Erbaut wurde das spätklassizistische Geschäftshaus mit seiner beherrschenden Säulenfront Mitte des 19. Jahrhunderts, aus den Kriegstrümmern neu errichtet wurde es Ende der 1950er-Jahre. Früher feierte der Hof in den Sälen des Obergeschosses seine Feste, heute genießt man im Sommer auf den Treppen des Säulenbaus das Treiben auf der Königstraße. Bis 2002 war der Bau Sitz der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse. Jetzt beginnt eine neue Karriere als Einkaufsparadies. Unter dem gewaltigen gewölbten Glasdach an der Rückseite warten in den Königsbau-Passagen auf rund 25 000 m² Fläche ab April 2006 jede Menge Geschäfte, Restaurants und Cafés auf Kunden und Gäste. Einer der Hauptmieter ist das Stilwerk, ein Einrichtungs- und Designzentrum der gehobenen Klasse. Königstr. 28
- Landtag: Das »schwarze Aquarium« der Stadt ist seit 1961 Hort der Landespolitik, wenngleich es wie viele Häuser in Stuttgart auf wackeligem Boden steht - rund 200 Betonpfähle verhindern, dass der dreigeschossige Zweckbau mit seiner bronzenen Aluminiumfassade auf weichem Untergrund seinen Halt verliert. Durch seine eher schmucklose Fassade setzt sich der Politikkubus deutlich vom benachbarten barocken Neuen Schloss ab. Das Erdgeschoss des Landtags ziert die Steinplatte eines riesigen Ichthyosauriers aus dem nahe gelegenen Holzmaden. Auch die Politik braucht ihren Platz: Das 1987 eingeweihte Abgeordnetenhaus mit zusätzlichen Büros für Parteien und Fraktionen liegt auf der anderen Seite der Bundesstraße. Mit dem Landtag ist es durch einen 130 m langen Tunnel verbunden. Bei seinem Bau galt die Sicht in die Büros der Parteien als eine besondere Symbolik für die Transparenz und Offenheit der noch jungen deutschen Demokratie. Konrad-Adenauer-Str. 3
- Markthalle: Öl aus Italien, Oliven aus Griechenland, Tee aus Indien oder Honig aus der Türkei - im Jugendstilbau neben Altem Schloss und Stiftskirche bieten mehr als 40 Stände Obst, Gemüse und andere Genüsse aus allen Teilen der Welt an. Vor allem an Wochenenden und am frühen Abend drängt man sich im Duft von Früchten und Blumen auf den engen Verkaufsstraßen. Auf der Galerie im Innern der Markthalle haben das traditionsreiche Warenhaus Merz & Benzing und kleine Geschäfte ihren Platz. Bereits 1864 ließ König Karl eine Markthalle bauen, damit »die Frauen und Töchter unserer Weingärtner, geschützt von den Unbilden der Witterung, ihre Produkte feilbieten können«. Nach einem Brand folgte kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges der Neubau. In den 1970er-Jahren als »soziale Romantik« abgetan, entging das architektonische Meisterwerk mit seinen volkstümlichen Fresken an den Außenwänden nur knapp der Abrissbirne. Dorotheenstr. 4
- Planetarium: Letzte Ausfahrt Universum: Zwischen Bahnhof und Staatsgalerie, mitten im Herzen der Stadt, liegt der direkte Weg zu den Sternen. Lehnen Sie sich bequem im Kippsessel zurück und reisen Sie in faszinierenden Bilderwelten in Zukunft und Vergangenheit des Universums. Astronomische Vorträge und Kurse, Seminare, Ausstellungen und ein phantasievoll-lehrreiches Kinderprogramm am Wochenende runden das Angebot des Planetariums ab. Willy-Brandt-Str. 25
- Rathaus: Viele Freunde haben die Pläne der Rathausarchitekten in Stuttgart nicht gefunden. Die Zentrale der Stadtpolitik ist vielen zu klotzig. Andere betrachten den Bau dagegen als bedeutendes Zeugnis der 1950er-Jahre-Architektur. Im hinteren Teil und an den Seitenflügeln lässt sich noch erahnen, wie das alte, 1905 erbaute Rathaus ausgesehen haben muss, bevor es 1944 vollständig ausbrannte. Nach dem Krieg wurde der Flügel zum Marktplatz hin neu aufgebaut. Kleines Abenteuer? Machen Sie eine Fahrt im Paternoster in die oberen Stockwerke.
Auch der elfstöckige Rathausturm ist noch erhalten, umgeben von einem modernen Turmkleid. Marktplatz - Tagblatt-Turm: 1928 wurde der erste »Wolkenkratzer« auf württembergischem Boden mit 61 m Höhe und 18 Stockwerken eingeweiht. Namensgeber war das Stuttgarter »Neue Tagblatt«, das in dem avantgardistischen Gebäude ebenso seine Redaktionsräume hatte wie die Stuttgarter Zeitung, bevor diese nach Möhringen umzog. Der Tagblatt-Turm war zugleich ein Symbol, denn die 1920er-Jahre waren die bedeutendsten der Zeitungsstadt Stuttgart. In der damaligen württembergischen Kapitale erschienen rund 20 Blätter täglich, bis mit den Nazis auch die Zensur einzog. Heute ist im Tagblatt-Turm ein Kulturzentrum untergebracht. Ebenfalls im Tagblatt-Turm: Stuttgarts Kinder- und Jugendtheater . Im Nachbarhaus erinnert eine Tafel an der Haustür an den Dichter Friedrich Schiller, der dort zwischen 1790 und 1792 zur Miete gewohnt hat - kaum in diesem Gebäude, wohl aber an dieser Stelle. Eberhardstr. 61
- Wilhelmspalais: Wo heute die Stadtbibliothek ihr Zuhause hat, wohnte früher der letzte württembergische König Wilhelm II. Nach Kriegsende im November 1918 wurde der Monarch von Revolutionären aus Stuttgart vertrieben und fand im Kloster Bebenhausen bei Tübingen eine Herberge. An die Spaziergänge des »Bürgerkönigs« mit seinen beiden Hunden erinnert ein Denkmal vor dem Palais. Die Blechlawine auf der Bundesstraße zwischen Bibliothek und Neuem Schloss könnte dank Fußball-WM bald Vergangenheit sein. Drei so genannte »Überdeckelungen« sollen nach ihrem Bau die Verkehrsflut im Untergrund verschwinden und den Fußgängern wieder den Vortritt lassen. Konrad-Adenauer-Str. 2
- Württembergisches Staatstheater: Das größte Dreispartentheater der Welt mit seiner kolossalen Säulenfront wurde zwischen 1909 und 1912 von Max Littmann am Eckensee erbaut, nachdem das alte Hoftheater zehn Jahre zuvor abgebrannt war. Von Littmanns ursprünglichem Doppelbau aus Schauspiel- und Opernhaus blieb durch den Weltkrieg nur das größere Haus erhalten. Hier bestechen der prächtig ausgestattete Zuschauerraum mit Königsloge, prunkvollen Deckenlüstern und der kassierten Decke sowie die Marmorbüsten in der Wandelhalle des ersten Ranges. Das benachbarte Schauspielhaus aus Stahl, Beton und Glas wurde 1962 als Nachfolger des zerstörten Theaters gebaut. Oberer Schlossgarten 6
- Dornhaldenfriedhof: Große Schlagzeilen machte der neben dem größeren Waldfriedhof gelegene Friedhof durch die Bestattung der RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe. Das Begräbnis hatte der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel 1977 gegen großen öffentlichen Protest durchgesetzt. Eugen-Dolmetsch-Str.
- Die älteste noch erhaltene Begräbnisstätte der Stadt liegt versteckt zwischen modernen Betonklötzen mitten in der Stadt. Das Grabfeld ist ein Relikt aus dem 17. Jh., als in der Stadt neue Friedhöfe angelegt werden mussten, um die von Pest und Seuchen dahingerafften Menschen zu beerdigen. Die letzten Bestattungen gab es 1880. Neben vielen Adeligen und Militärs sind auf dem Hoppenlau-Friedhof auch die Dichter Wilhelm Hauff und Gustav Schwab, der rebellische Poet Christian Friedrich Daniel Schubart und der Bildhauer Heinrich Dannecker begraben. Im westlichen Teil liegt ein Israelitischer Friedhof. Für die Bundesgartenschau 1961 wurde die Stätte in einen Friedhofspark umgewandelt, der heute mit seinen überwucherten und bemoosten Grabsteinen ein idyllischer Ort ist. Tgl. 6-20 Uhr, Rosenbergstr. 7, U 2, 4, 14 Berliner Platz
- Der erste städtische Friedhof lag 1873 noch vor den Stadttoren auf den Pragäckern (prag = brach). Die Jugendstilanlage ist die letzte Stätte unter anderem für den Literaten Eduard Mörike, aber auch für Ferdinand Graf Zeppelin, Medizin-Nobelpreisträger Hans Spemann und die ermordete Opernsängerin Anna Sutter. Bei Sonnenschein schafft das Spiel von Licht und Schatten zwischen den Grabsteinen eine wunderbar friedliche Atmosphäre, die durch die zahlreichen stillen Marmorengel oder steinernen Madonnen noch verstärkt wird. Friedhofstr. 44, U 5-7, 15 Pragfriedhof
- Die Hauptkirche der Stuttgarter Protestanten ist mit den beiden ungleichen Türmen das Wahrzeichen von Stuttgart. Sie ist die Zentralkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Nach ihrer umfassenden Sanierung von 1999 bis 2003 glänzt sie heller und freundlicher denn je.
- Seit dem 12. Jh. mal Basilika, dann spätgotische Hallenkirche, wurde das Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört. Nur der Chor und die Türme blieben erhalten. Zwischen 1953 und 1958 wurde die Kirche wieder aufgebaut. Schon seit Graf Eberhard dem Erlauchten werden die württembergischen Grafen in der Stiftskirche bestattet. Heute befinden sich unter Chor und Sakristei in zwei Grabkammern 66 Särge, weitere 40 Tote liegen in einem Massensarg. Auch der Stifter Graf Ulrich I. ist in der Stiftskirche begraben. Bei der Sanierung wurden weitere Fundamente und Malereien entdeckt, die in der Unterkirche ausgestellt sind.
- Ein besonderes Erlebnis ist die Stunde der Kirchenmusik (Karten-tel. 226 55 81). Jeden Freitag findet um 19 Uhr ein Konzert mit geistlicher Musik statt, präsentiert von Solisten, Chören und Ensembles aus Stuttgart, der Region und aus dem Ausland. Ein besonderes Hörerlebnis verspricht auch die neue Mühleisen-Orgel. Mo-Do 10-19, Fr/Sa 10-16, So nach dem Gottesdienst bis 16 Uhr, Schillerplatz, U 5-7, 15 Schlossplatz
- Äußerlich eher klein und schlicht, ist das Gotteshaus innen ein farbiges Gesamtkunstwerk mit Wandmalereien aus dem 14. Jh. Attraktionen sind die mittelalterliche Maria-Ohnmachtsgruppe, die Grabmale der Ortsherren und der um 1510 geschaffene Flügelaltar mit einer Statue des heiligen Veit. Besichtigungen Ostern-Erntedank So 14 bis 16.30 Uhr, sonst nach Voranmeldung beim Pfarramt, Meierberg 11, Tel. 53 23 13, U 14 Mühlhausen
- Zum 1914 eingeweihten Waldfriedhof mit seinen schattigen Wegen und Bänken fährt die frisch renovierte nostalgische Standseilbahn von der Talstation Heslach aus. Auf Holzbänken und mit Messingbeschlägen zieht das Museumsstück seit 1929 Bahnliebhaber und Friedhofsbesucher einen steilen halben Kilometer in den Degerlocher Wald. Dort liegen zwischen Schatten spendenden Bäumen unter anderen die Gräber von Bundespräsident Theodor Heuss, Unternehmer Robert Bosch, des Architekten Paul Bonatz, des Malers Oskar Schlemmer, von Stuttgarts erstem Nachkriegs-Bürgermeister Arnulf Klett, Opernsänger Wolfgang Windgassen und von Schauspieler Erich Ponto. Waldfriedhof 3, Standseilbahn ab Südheimer Platz.
- Schillerplatz: Als einziger Platz der Innenstadt wurde der Schillerplatz aus dem 16. Jahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg originalgetreu wieder aufgebaut. Auf dem früheren Schlossplatz weihten die Stuttgarter 1839 das erste Schiller-Denkmal Deutschlands ein, 34 Jahre nach dem Tod des Dichters. Der melancholisch zusammengesunkene Poet (von Berthel Thorwaldsen) ist aus Kanonen türkischer Schiffe gegossen, die 1827 vor Navarino versenkt wurden. Der Spott angesichts der eher gramgebeugt wirkenden Figur war zunächst groß, zumal das Monument seinen Preis hatte. Heute schlägt auf dem Schillerplatz das Herz der Stadt. Am frühen Morgen ist er noch unbelebt, am Tag vom Markt gefärbt und vor allem bei Weindorf und Weihnachtsmarkt voller Rummel. An der Längsseite wird im Justizministerium, dem Prinzenbau, für Recht und Ordnung gesorgt, an der linken Seite liegt der spätgotische Fruchtkasten aus dem 14. Jh. In dem früheren herrschaftlichen Lagerhaus für Wein und Korn hat heute die Musikinstrumenten-Sammlung des Württembergischen Landesmuseums ihr Zuhause. Schlossplatz
- Schlossplatze: Unbestritten ist der Platz mit Baumreihen, Brunnen, Blumenfeldern und dem herrlichen Blick auf den Barockbau des Neuen Schlosses Stuttgarts ansehnlichster Ort, Visitenkarte und Statussymbol der Landeshauptstadt. Rund um den Platz hat sich die Stadtgeschichte im Zeitraffer versammelt, vom Alten und dem Neuen Schloss, dem Kunstgebäude und dem früheren Hotel Marquardt bis zum Königsbau und dem neuen Kunstmuseum am Kleinen Schlossplatz.
Die Jubiläumssäule wurde 1841 zum 25-jährigen Herrscherjubiläum von Wilhelm I. gesetzt. Ganz oben thront 100 Zentner schwer die Göttin Concordia. Der frühere staubige Exerzier- und Paradeplatz wurde in den 60er-Jahren des 19. Jhs. in einen Blumengarten verwandelt. Bei sonnigem Wetter kommt hier mediterrane Atmosphäre auf: Jung und Alt sonnen sich auf dem Rasen oder genießen ein kühles Glas in den Cafés und Kleinkünstler rufen nach Aufmerksamkeit. Am Abend treffen sich die Boulespieler auf den schattigen Seitenwegen.
- Schlossgarten: Die ein wenig tiefstaplerisch als »Grünes U« bezeichnete Parklandschaft ist das Ergebnis langer Mühen von Gärtnern und Landschaftsarchitekten, die zentralen Parks der Stadt zu einem zusammenhängenden Grünzug zu verbinden. Die Internationale Gartenbauausstellung machte es 1993 möglich: Vom Schlossplatz kann man heute auf rund 8 km Länge und im Bogen bis über den Killesberg spazieren, ohne eine Straße betreten zu müssen. Die Anlagen erreichen eine Größe von 5,6 km² - zum Vergleich: Der Central Park in New York ist 3,4 km² groß.
- Wilhelma: In Deutschlands einzigem und Europas größtem zoologisch-botanischen Garten sind mehr als 9000 Tiere und zahllose Pflanzen aus aller Welt zu Hause, von der Seidenspinne bis zum Krokodil. Hier blühen im April die Magnolien, Papageien und Totenkopfäffchen grüßen in den Subtropenterrassen. Weltberühmt sind die Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans, die in der Wilhelma im Familienverband leben. Das Amazonienhaus vermittelt einen Eindruck subtropischer Klimaverhältnisse, im Streichelgehege kann man Tiere anfassen und füttern. Angelegt wurde die Wilhelma zwischen 1842 und 1853 als maurischer Garten und kleines orientalisches Paradies ganz nach dem damaligen Geschmack. Sehr entspannend ist in den Sommermonaten der Bummel durch die Wilhelma zum ermäßigten Abendtarif nach 16 Uhr. Die Häuser der Tiere werden eine Stunde nach der letzten Eintrittsmöglichkeit geschlossen.
Im benachbarten Wilhelma-Theater hebt sich der Vorhang für den Bühnennachwuchs der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Der prunkvolle Bau wurde 1839-40 als Hof- und Kurtheater errichtet, stand dann lange Zeit leer, war zwischenzeitlich sogar zugemauert, bis ihn der kunstfreudige Ministerpräsident Lothar Späth 1987 restaurieren ließ. Auf dem Spielplan stehen neben Stücken der einzelnen Ausbildungsklassen auch Chorkonzerte, experimentelle Musik und Kammermusik. Neckartalstr. 9
- Altes Schloss: Einst grasten an diesem Platz die Pferde des Herzogs. Im Weiler »Stutengarten« im Nesenbachtal wurde um 1320 die trutzige Wasserburg der Grafen von Württemberg gebaut. Zwischen 1553 und 1570 entstand daraus ein stattliches Renaissanceschloss. Aus dieser Zeit stammen die im Treppenhaus eingebauten »Reittreppen«, die es dem oft schwergewichtigen oder betrunkenen Adel möglich machten, hoch zu Ross ins Gemach zu gelangen. Der Wassergraben diente als Zwinger für Bären und Hirsche, bevor er im 18. Jh. ganz beseitigt wurde. Das Alte Schloss wurde durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges fast völlig zerstört, bis 1969 aber wieder aufgebaut. Der Innenhof, auf drei Seiten eingerahmt von dreigeschossigen Arkadengängen, dient heute oft als Bühne für Hofkonzerte oder Feste. Hoch zu Ross wacht dort der wackere und kriegerische Graf Eberhard im Barte (Standbild von 1859). Das Württembergische Landesmuseum zeigt in den Räumen des Hauses die landeskundliche Sammlung von alemannischen Grabfunden bis zum Kronschatz. In der Fürstengruft sind König Karl (1891), Königin Olga (1892), Herzog Eugen (1877) und Herzogin Wera (1912) bestattet. Schillerplatz 6
- Neues Schloss: Die ehemalige Residenz der württembergischen Könige beherrscht heute den Stadtkern, vor dem Platz des U-förmigen Baus spielt sich vor allem im Sommer das Leben ab. Der Spätbarockbau entstand unter anderem nach den Plänen von Leopoldo Retti zwischen 1746 und 1807 und war Bedingung für die Rückkehr des absolutistisch herrschenden Herzogs Carl Eugen aus Ludwigsburg nach Stuttgart. Der Bau des Schlosses war nicht gerade mit Glück gesegnet: Retti starb während der Bauarbeiten, der Gartenflügel wurde 1762 ein Opfer der Flammen, und insgesamt dauerte es 60 Jahre, bis das Projekt vollendet war.
Der junge Herzog Carl Eugen konnte sich nie damit anfreunden, an seinem Stuttgarter Hof zu leben. Er zog die Schlösser in Ludwigsburg und Hohenheim vor. Lange stand der Barockprunk, der immerhin 365 Räume umfasst, leer. Dennoch wurde die Inneneinrichtung ständig dem neuesten Geschmack angepasst. Ab 1918 diente das Neue Schloss als Museum, 1944 wurde es bis auf die Fassaden zerstört, Ende der 1950er-Jahre wieder aufgebaut. Dabei wurde das Äußere weitgehend dem barocken Original angepasst, im Inneren allerdings wurden nur wenige Repräsentationsräume restauriert. Heute finden darin das Finanz- und das Kultusministerium der baden-württembergischen Landesregierung in nüchternen Büroräumen Platz. Im Mittelbau lädt die Landesregierung zu Empfängen. Auf dem prächtigen Innenhof stehen mit Sondergenehmigung die Bühnen für Klassik- und Popkonzerte. Am linken Flügel erinnert eine Tafel an einen bekannten Bewohner des Schlosses: Der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker wurde hier geboren. Auf Anfrage kann man das Innere des Neuen Schlosses besichtigen. Auskunft und Anmeldung für Führungen im Neuen Schloss. Schlossplatz - Schloss Hohenheim: In den von Herzog Carl Eugen von Württemberg in Auftrag gegebenen Schlossräumen, den Kavaliershäusern und den umliegenden Gebäuden büffeln heute die Studenten der Universität Hohenheim und der Landwirtschaftlichen Hochschule. Die Schlossanlagen zu besichtigen ist ein Muss für alle Freunde exotischer Bäume und Pflanzen: Der Alte Botanische Garten zeigt berühmte Baumarten: vom Montpellier- bis zum Zuckerahorn. Der Exotische Garten, das Landesarboretum, enthält mehr als 2400 Gehölzarten, darunter Raritäten wie Tulpenbäume, eine Platane und eine Blutbuche, alle aus dem 18. Jahrhundert.
- Schloss Solitude: Angeblich entdeckte Herzog Carl Eugen auf einer seiner Jagden den Standort für das Jagd- und Lustschloss. 1764-69 entstand dort der Rokokoprunkbau, dessen exotische Gärten einst der Vater Friedrich Schillers pflegte. Eine 14 km lange Straße führte damals schnurgerade von der Solitude zur Residenz nach Ludwigsburg. Die Überrreste der ursprünglichen Anlage sind beim Blick vom Schloss talwärts noch zu erkennen.
Grundlegend saniert wurde die Solitude zwischen 1972 und 1983. Ballsaal mit Kuppel, Wand- und Deckengemälde, Marmorsaal, Palmenzimmer, Rotes Kabinett und Weißer Saal lassen die Pracht vergangener Tage erahnen.
Im Offizien- und dem Kavaliersbau ist seit 1990 die Akademie Schloss Solitude untergebracht, eine Art Villa Massimo für Kunststipendiaten aus aller Welt, von denen ein paar in den Wohnateliers leben.
Auf dem Solitude-Friedhof ruhen einige Mitglieder der Familie von Weizsäcker ebenso wie der frühere Stuttgarter Ballettchef John Cranko. In den Kavaliershäuschen wohnen Stuttgarter Kulturschaffende, in Sichtweite liegt außerdem die Dienstvilla des baden-württembergischen Ministerpräsidenten.
Einen gemütlichen Spaziergang entfernt liegen die malerischen Bärenseen mit dem Bärenschlössle. An schönen Wochenenden ist rund um die Seen allerdings viel los.
Knapp 5 km entfernt liegt die ehemalige Solitude-Rennstrecke, auf der noch bis 1965 Rennen gefahren wurden. Seit einigen Jahren ist die Strecke wieder ein Thema für Motorsportfans. Zum hundertjährigen Jubiläum 2003 waren jede Menge klassische Autos und Motorräder zu bewundern, und die berühmte Solitude-Rallye hat bereits zwei Neuauflagen erlebt.
- Bohnenviertel: Zwischen Olga- und Pfarrstraße, Hauptstätter Straße und Charlottenstraße stehen Fachwerkhäuser aus dem 16. Jh. einträchtig neben Gebäuden des Jugendstils und modernen Bauten. Die ältesten Häuser stammen aus dem 15. Jh. Im Viertel wohnten im Mittelalter vorwiegend Gärtner und Weinbauern, aber auch Handwerker, die auf das Wasser des heute kanalisierten Nesenbachs angewiesen waren. An den Hauswänden pflanzten und trockneten die Bewohner Gartenbohnen. Größtenteils sind die romantischen alten Gassen und illustren Kneipen verschwunden, erst in den 1970er-Jahren entgingen die übrigen Bauten knapp einem kompletten Abriss. Heute beherbergt das Bohnenviertel kleine Antiquitäten- und Trödelläden und gemütliche Kneipen und Stuben. Einen Steinwurf weiter südlich, entlang der Leonhardstraße, findet sich Stuttgarts kleines, überschaubares Rotlichtmilieu.
- Bosch-Areal: Im Herzen der Stadt und auf denkmalgeschütztem Gelände der früheren Bosch-Fabrik ist ein interessantes Kultur- und Unterhaltungszentrum entstanden. Zwischen Liederhalle und Alter Reithalle gelegen, haben dort neben Medienbetrieben, Werbeagenturen, einem Fitness-Center und dem Cinemaxx-Filmpalast mehrere Cafés, Clubs und eine der angesagtesten Diskos der Stadt, »M1«, ihren Platz gefunden. Unter dem riesigen gläsernen Dach lässt sich auch bei grauem Himmel trocken und warm eine Tasse Kaffee oder ein Gläschen Prosecco genießen.
Ebenfalls im Bosch-Areal gelegen lädt das Literaturhaus Freunde des geschriebenen Wortes zu Lesungen und Tagungen ein. - Weissenhofsiedlung: Als Musterhäuser für die Werkbundausstellung »Die Wohnung« 1927 gebaut, gehört die Siedlung heute zu den Aushängeschildern moderner Architektur. 16 Künstler aus fünf europäischen Ländern entwarfen damals die Bauhausarchitektur auf dem Killesberg. Wichtigste Prinzipien: Neue Materialien sollten benutzt werden, kostensparend sollte es sein, und der Nutzen der Häuser und Objekte war wichtiger als die Form. Klare Linien und Formen sollten Gebäude, aber auch Möbel- und Kücheneinrichtung auszeichnen. Zunächst wurde die Siedlung als »Vorstadt Jerusalems« und »Schwäbisch Marokko« verspottet. Die Nationalsozialisten diffamierten das Pionierprojekt modernen Bauens als »entartete Kunst« und »undeutsch«. Im Bombenhagel des Krieges wurden Teile der Siedlung zerstört, von den 21 Gebäuden sind noch elf erhalten. Sie stehen unter Denkmalschutz und sind zum Teil bewohnt, darunter der Wohnblock, der von Mies van der Rohe (Am Weißenhof 14-20) entworfen wurde und die Häuser von Le Corbusier (Rathenaustr. 1-3 und Bruckmannweg 2) und Scharoun (Hölzelweg 1). Die Weissenhofhäuser sind mit Tafeln und den Namen der Architekten gekennzeichnet. Es gibt ein kleines Infozentrum des Vereins »Freunde der Weissenhofsiedlung« (Am Weißenhof 20, Tel. 257 91 87). Voraussichtlich im Mai 2006 wird das lang erwartete Weissenhofmuseum im Le Corbusier-Haus das bisherige Infozentrum ersetzen. Dann können sich die Besucher in der linken Hälfte des Doppelhauses in die Geschichte der Siedlung vertiefen, während sie in der rechten der Originalatmosphäre von 1927 nachspüren können. Am Weißenhof


